Als Erinnerung und Dokumentation zu diesem erlebnis- und informationsreichen Tag, gibt es ein Magazin, den Caritas-Report.
Lesen Sie hier den Caritas Report 2011 (pdf-Datei, 5318 KB) oder bestellen Sie ihn kostenlos bei presse@caritas-regensburg.de .

Die Pflege zur Sprache bringen
7. Pflegekongress der Caritas nahm die Rede von und über die Pflege in den Blick
Regensburg (cn). "Welches Image die Pflegebranche in der Öffentlichkeit und in den Medien hat, hängt auch davon ab, wie die in der Pflege Tätigen auftreten und über sich und ihre Arbeit sprechen", sagte Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Piendl. Man dürfe man den Blick auf die Professionalität und die Kompetenz der Pflegekräfte nie aus den Augen verlieren. "Sprache und Pflege", so lautete das Motto des Pflegekongresses 2011 im Kolpinghaus Regensburg. 450 Besucher aus der Pflegebranche sind der Einladung zu Fachtagung und Messe gefolgt. Bischof Gerhard Ludwig Müller ermunterte durch sein Wort die in der Caritas Tätigen und dankte für deren wertvolle Arbeit.
Gesetzliche Vorgaben, Qualitätshandbücher und Expertenstandards in der Pflege beschäftigen sich beinahe ausschließlich mit technischen, strukturellen und organisatorischen Themen. „Das Kongressthema behandelt aber ein zentrales Element menschlicher Beziehung“, sagte Caritasdirektor Piendl in seiner Begrüßung. Der Mensch sei auf Beziehung angelegt. Mit und durch Sprache gestalte sich menschliche Beziehung und auch Wertschätzung. Im Pflegeberuf gehe es um den Dienst von Menschen an Menschen.
Pflege aus der Sprachlosigkeit holen
und Kollegen aus der Pflegebranche ist ein
wesentliches Ziel des Pflegekongresses.
Foto: Caritas Regensburg
Pflege wird in der Gesellschaft und Politik oft nur als Kostenfaktor oder Skandalfeld empfunden. Dass Pflege ein gesellschaftlich höchst relevantes Thema ist, wird wohl immer mehr erkannt. Bundesgesundheitsminister Rösler hat das Jahr 2011 zum „Jahr der Pflege“ ausgerufen. Dennoch werden so genannte Sozialexperten der Parteien nicht müde zu betonen, dass Pflegen wohl jedem, auch Langzeitarbeitlosen „zugemutet werden kann“. Fachliche Kompetenz sei in dem Beruf demnach nicht so wichtig. Dabei ist kein Berufsstand so nah am Menschen wie der Pflegeberuf. „Pflege ohne professionelle Kommunikation ist einfach nicht möglich“, sagte Anita Kerscher, Caritas-Fachberaterin für ambulante Pflegedienste und Organisatorin des Kongresses.
Sprache macht Image
Pflegekräfte müssten wieder lernen, ihre Tätigkeiten und die daraus resultierenden Erfolge in der Öffentlichkeit zur Sprache zu bringen. Ein Beispiel: Durch die gute Beratung pflegender Angehöriger beispielsweise zur Sturzgefahr oder zur Vermeidung von Druckgeschwüren werden jährlich Millionen Euro im Gesundheitswesen eingespart. „Eigentlich müsste es dafür Prämien geben“, so Kerscher. Diese Erfolge gelte es sowohl intern als auch nach außen viel deutlicher zu artikulieren.
Wertschätzung der Pflegekräfte
Pflegekräfte müssten in ihrem Beruf positiv und selbstbewusst auftreten. Immer nur jammernde Pflegekräfte erzeugten in der Öffentlichkeit und in den Medien das alt bekannte schlechte Bild der Pflegebranche. „In keinem anderen Beruf bekomme man so viele Streicheleinheiten zurück“, unterstützte eine Kongressteilnehmerin bei. Der offene Dialog von Pflegekräften untereinander, von Pflegender zu Patient oder dessen Angehörigen sei oft entscheidend. Die Caritas setzt sich durch politische Arbeit für bessere Rahmenbedingungen in der Pflege ein. „Die überbordende Bürokratie, immer mehr Kontrollen und die notorische Unterfinanzierung der Pflege sind die Hauptprobleme in der Altenpflege“, stellte Piendl in der Pressekonferenz fest. Den Zwang zur Kostensenkung werde die Caritas nicht auf dem Rücken ihres qualifizierten Personals austragen. Gute Pflege komme durch motiviertes und qualifiziertes Personal. Der Diözesan-Caritasverband baue deshalb auf eine gute Aus- und Fortbildung, langfristige Arbeitsverhältnisse, eine überdurchschnittliche und faire Bezahlung nach Tarif sowie gute Perspektiven für jeden einzelnen Mitarbeiter.
Hochkarätiges Kongressprogramm
Caritas den Pflegekongress auf professionellstem
Niveau organisieren. Im Bild: Vertreter der Spon-
soren mit Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Piendl
(3.v.l.), Caritas-Pressesprecher Marcus Weigl (re.)
und Hauptorganisatorin Anita Kerscher.
Der Caritas-Pflegekongress zeichnet sich durch die gute Mischung aus fachlicher Information und Unterhaltung aus. Für den fachlichen Inhalt auf höchstem Niveau sorgte Professor Dr. Michael Isfort von der Katholischen Hochschule in Nordrhein-Westfalen. Für das Institut für angewandte Pflegeforschung erstellt er regelmäßig das deutsche Pflegethermometer. Dr. Angelika Zegelin aus Dortmund beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit dem Hauptthema des Kongresses: „Sprache und Pflege“. Dr. Zegelin ist eine bundesweit anerkannte Pflegeforscherin. Sie war maßgeblich am Aufbau der Pflegewissenschaft beteiligt. Für diese Verdienste erhielt sie 2009 auch das Bundesverdienstkreuz. Bettina Theißen, Schauspielerin und Trainerin aus Berlin, veranschaulichte auf pfiffige Weise, wie eine gute Körpersprache den Pflegenden zu Hilfe kommen kann. Beste Unterhaltung und Witz auf hohem Niveau bot der aus Funk und Fernsehen bekannte Kabarettist und Sprachkünstler Dr. Oliver Tissot. Den musikalischen Schlusspunkt des Kongresses setze die überregional bekannte Formation b.o.s.s. Die beiden oberpfälzer Musiker und Tesi Kreusel, Sängerin der Schulfreunde Müller (Schulband der Bischof-Manfred-Müller-Schule) sangen gemeinsam mit den Kongressteilnehmern den im letzten Jahr von der Caritas veröffentlichten ersten deutschen Pflegereggae „Mensch bleib in der Pflege“.


